Landschaft

TitelEinst formten Gletscher und Flüsse unsere Landschaft. Nun sind wir, die Menschen, die Gestalter. Das, was wir mit der Landschaft anstellen, tun wir allerdings kaum je im Hinblick auf die Gestaltung. Eher geschieht es einfach – unter Missachtung der Folgen. Und selbst wenn Eingriffe zugunsten der Landschaft erfolgen, sind die Mittel und Folgen oft fragwürdig. Davon handelte mein Volkshochschulabend in Frauenfeld mit dem Titel «Gebrauch und Missbrauch der Landschaft». Einzelne Aspekte will ich hier herausgreifen.

Aspekt 1: Was ist schön und was ist hässlich? (Link)

Aspekt 2: Ästhetik per Reglementierung? (Link)

Aspekt 3: Landschaftsqualitätsbeiträge (LQB)

Narrative und Realität in der Altersvorsorge

220521 Es war einmal

Die Corona-Pandemie beförderte das Phänomen, das man als Verschwörungstheorie bezeichnet – eigentlich nicht ganz zutreffend. Richtiger wäre wohl meist die Bezeichnung Verschwörungserzählung. Vielen Verschwörungserzählungen ist gemeinsam, dass verschiedene reale Ereignisse in einen Zusammenhang gebracht und den handelnden Personen bestimmte Motive zugeschrieben werden. Bei den Motiven liegt denn auch meist die Schwachstelle solcher Erzählungen. Dies trifft beispielsweise auch bei wohl meist ernstgenommenen Büchern wie demjenigen von Gerhard Schwarz (langjähriger Chef des Wirtschaftsressort der NZZ) und Robert Nef «Neidökonomie» zu. Sie machen Neid als Motiv für die Kritik an Einkommens- und Vermögensungleichheiten aus. Wer sich zu Motiven, die man ja nicht wie beliebige andere Fakten beobachten kann und deshalb die eigene Phantasie zu Hilfe nimmt, äussern will, sollte sich grösster Sorgfalt befleissigen.

Mit Verschwörungserzählungen eng verwandt sind Narrative. Ein Narrativ ist eine Erzählung, die mit Interpretationen und Auslassungen einen Eindruck erwecken will, der die tatsächlichen Zusammenhänge tendenziös wiedergibt. Oft kann man statt Narrativ den Ausdruck Ideologie im Sinne von Rechtfertigungslehre verwenden.

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Oligarchen – die Ausgestossenen

VekselbergSollen Oligarchen ausgestossen werden? Wenn mit solchen Massnahmen nur Personen russischer Provenienz ins Auge gefasst werden, dann müssen die Massnahmen als xenophob oder rassistisch bezeichnet werden. Am Kriegsgeschehen in der Ukraine ändern solche Massnahmen kaum etwas. Würden auch all die kleineren Oligärchlein ins Auge gefasst, all jene, welche die Gelegenheit zu Dieben am Volksvermögen gemacht haben, dann wäre zumindest eine Debatte angebracht, welche das Unrechtsbewusstsein auf den Stand bringt, welcher auch sozial wirksam werden könnte. Ich habe wenig Hoffnung, dass dies so schnell passieren könnte wie die Eröffnung der Jagd auf russische Oligarchen und ihre Yachten.

Bild: Putin und der "Schweizer Oligarch" Vekselberg

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Russen raus!

KartauseDas gab es alles:
gegen Juden, gegen Schwarze, gegen Fahrende – und nun also auch: gegen Russen

Normalerweise legt sich meine Empörung nach einiger Zeit. Dieses Mal kocht sie immer von Neuem wieder hoch, wenn ich an die Entscheidung der Kartause Ittingen denke, der jungen russischen Cellistin Anastasia Kobekina den Auftritt zu verweigern. Schliesslich hat man sich in der Kartause Ittingen für einen «Komplett-Ausschluss russischer Künstler:innen» entschieden. «Das soll», wie der Procurator der Kartause erklärt, «bis auf Weiteres auch über den Einzelfall hinaus gelten: Mindestens so lange bis sich die Situation in der Ukraine entschärfe.» (siehe Thurgau-Kultur)

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Was bedeutet Flucht? – Ein Bericht

5 7 1 Pauline 100«Flucht» und «Flüchtlinge» – zwei Wörter, die seit Jahren Bestandteil politischer Nachrichten sind, scheinen nun plötzlich eine neue Bedeutung zu erhalten. Erhalten sie auch eine persönliche Bedeutung? Das hängt von der Empathie-Fähigkeit ab, die uns zur Verfügung steht. Ich bin wohl nicht der Einzige, der – etwas betroffen – feststellt, dass Flüchtlinge aus Osteuropa derzeit stärkere Empfindungen wecken als solche aus dem Nahen Osten.

Angesichts des Schicksals der Ukraineflüchtlinge erinnerte ich mich an den Bericht einer Grosstante, die sehr berührend von der Flucht mit ihrer Mutter, meiner Urgrossmutter, im Mai 1945 erzählt. Jede Bedrohung und jede Flucht ist sehr unterschiedlich, und wie sie durchlebt wird, individuell geprägt – im Milieu meiner Urgrossmutter in eindrücklicher Einbettung in grosse Frömmigkeit und Gottvertrauen. Die Flucht in diesem Bericht ist kleinräumig und findet am absehbaren Ende des Krieges statt. Die Gemeinsamkeit mit der Ukraine heute: Es ist eine Flucht vor den Russen. Mir scheint, dass ein solcher Bericht mich in die Situation der Flüchtlinge einfühlen lässt, weil er zeigt, welche Schicksale Unsicherheiten und Bedrohungen auf einer Flucht durchlebt werden müssen.

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Mehr als ein Imperialismus des einsamen Mannes

Kiew«Grosse Nationen haben in ihren Hauptstädten grosse Plätze: Paris, Berlin, Rom … Meist führen breit angelegte Chausseen zu diesen Plätzen, die vor allem aus Gründen der Machtdemonstration geschaffen wurden. Die Plätze stehen aber auch für die ‹Seelenverfassung› der Nation, sie symbolisieren jene Einheit, auf die die jeweiligen Nationen eingeschworen wurden und werden. Über die Chausseen marschierten im 19. und 20. Jahrhundert die paradierenden Truppen der Herrschenden. Die grossen Chausseen und zentralen Plätze der Hauptstädte waren aber nicht nur Aufmarschort der Herrscher und ihrer Heerscharen, sondern sie wiesen oft auch einmarschierenden Eroberern den Weg, dienten fremden (neuen) Mächten und deren Machtdemonstration.»

So weit die ersten Zeilen meines 2017 erschienen Büchleins Eintopf und Eliten. (Link zum Buch)
In diesem Blog-Beitrag beziehe ich mich auf meine Buch-Zusammenfassung vom Oktober 2017 es ist sinnvoll, diese zuerst zu lesen, um anschliessend den Bezug zu einem Aspekt der Konfliktentstehung in der Ukraine zu gehen. Denn wenn auch Vladimir Putin die Hauptverantwortung an diesem Krieg zu tragen hat, spielen strukturelle Aspekte eine Rolle, die seit dem Ersten Weltkrieg ungelöst sind.

Link zur Buchzusammenfassung
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«Wir machen halt Biomusik»

EndoAnaconda3Als ich Mitte der 1980er Jahre (unter anderem) Chauffeur war und dem Wylereggladen in Bern Bio-Frischprodukte lieferte, war der gestern verstorbene  Endo Anaconda dort (unter anderem) Ladenmitarbeiter und nahm die Ware in Empfang. So oft ich danach Bilder von ihm gesehen hatte, wunderte ich mich, dass er eigentlich immer gleich aussah – während den nun immerhin etwa 35 Jahren. Dieses Youtube-Video vermittelt einen Eindruck von seiner Persönlichkeit und seinem Temperament. Dieser Talk entstand im Mai 2017 in Herisau. Endo äusserte seine Sorge zur Welt, die wir den Kindern hinterlassen. Zu sich selber trug er nicht so sehr sorge.