Ein Professor – unglaublich!

EichenbergerProfessor Reiner Eichenberger liegt im Professorenranking der NZZ 2020 auf dem zweiten Platz, nach Ernst Fehr und vor Mathias Binswanger, Jan-Egbert Sturm, und Bruno S. Frey, dessen Assistent er einst war. Die Republik nennt ihn den lärmigsten Professor. Eichenberger ist ein echter Wirtschaftsliberaler, auf seinem Lehrstuhl Nachfolger von Walter Wittmann an der Universität Fribourg – der war ultraliberal, aber nicht lärmig. Eichenbergers Rezept zu Beginn der Pandemie war dementsprechend: laufen lassen, durchseuchen lassen, dann ist das Problem bald erledigt. (Dafür hatte ihm die NZZ eine Seite zur Verfügung gestellt. Der Weltwoche hat sie gefallen.) Die NZZ schrieb am 2.10.2016: «Reiner Eichenberger gilt als einflussreichster Ökonom der Schweiz in Politik und Medien. Kritiker werfen ihm vor, faktenfrei zu argumentieren und der SVP nahezustehen.» Faktenfreien Faktenreichtum demonstriert er in einer Kolumne der Handelszeitung.

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Kritik der Professionalisierung

20110709 Norisk nofunIm Jahr 2014 hatte ich die Aufgabe übernommen, das Skript für ein Video-Portrait einer grossen heilpädagogischen Institution zu verfassen. Mit den Aufnahmen folgten wir einem straffen Zeitplan. Unvorhergesehenes brachte uns in Zeitnot. Wir – der Kameramann und ich – versuchten mit dem Wohngruppenleiter, einem Sozialpädagogen, einen geeigneten Zeitpunkt zu finden. Als er sagte: «Morgen habe ich frei», schöpften wir Hoffnung, merkten aber gleich, dass er damit sagen wollte: «Morgen geht gar nicht.» Wir fragten nach, ob er denn sonst etwas vorhabe. «Nein» – und er fuhr gleich mit der Begründung fort: «Ihr seid selbständig und könnt arbeiten, wann und so viel ihr wollt. Aber ich bin hier angestellt. Und wenn ich frei habe, habe ich frei.» – Damit zeigte dieser Mann ein echt professionelles Berufsverständnis. Zur Professionalität gehört die Abgrenzung – und einiges mehr. Professionalität heisst, die (soziale) Realität nicht zu nah an sich herankommen zu lassen. Und auch, mit Hilfe von sprachlichen Maskierungen nicht zu viel von sich preiszugeben. Davon ist in diesem Beitrag (verlinktes PDF) die Rede. (Link zum Beitrag)

Wertschöpfungskette – assoziativ

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Wirtschaft – so nimmt man gelegentlich an – ist der materiellste Bereich menschlicher Kultur. Und doch kann man sie weder ertasten, noch fühlen, noch hören, noch riechen – kurz: wirtschaftliches Geschehen ist ganz und gar immateriell. Der Wirtschaftsprozess beginnt dann, wenn sich ein Spannungsbogen zwischen Bedürfnissen und den Möglichkeiten von deren Befriedigung aufspannt. Weder die Produktion allein (zum Beispiel die Fabrik) noch der Konsum allein sind Wirtschaft. Auch nicht das Geld, das die Prozesse zwischen den genannten Polen begleitet. Auch nicht das Kapital, das die Produktion möglich macht. Was hingegen wirtschaftlichen Charakter hat, ist das Zusammenwirken vieler Einzelbetriebe, die im Hinblick auf die Erstellung von Leistungen (Waren oder Dienstleistungen) zusammenwirken, kooperieren.

«Felder kooperativen Handelns» war ein Tagungsthema des Werkraums Bregenzerwald. Es war ein Thema, zu welchem der Werkraum – das Ergebnis kooperativer Zusammenarbeit zwischen mittelständischen Handwerksbetrieben – viel Kompetenz einbrachte. Zu den Vortragenden dieser Tagung gehörte beispielsweise Silke Helfrich mit der Gemeingüter-Thematik («Commons») . Die wissenschaftliche Pionierin der Gemeingüter-Thematik war die Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom, die die Gemeingüter-Thematik auch in der Schweiz erforscht hat.

(Zur Gemeingüterthematik siehe:  Silke Helfrich, David Bollier: Frei, fair und lebendig. Die Macht der Commons. Bielefeld 2019)

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Miserable linke AHV-Diskussion

AHV«Lautstarker Protest gegen den Abbau auf dem Buckel der Frauen»Die Altersvorsorge hätte einen sozialpolitischen Debattenbeitrag dringend nötig. Doch mit dem, was die Linke derzeit leistet, vertut sie eine wichtige Diskussionschance.

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riggerwarnung: Wer sich nicht zu den alten weissen Männern zählt, hat mit diesem Beitrag vielleicht etwas Mühe.

Wie wohnen?

Bild 10Man darf das vorindustrielle, ländlich Wohnen nicht idealisieren. Es ist keineswegs so, dass die Kinder in kinderreichen Familien viel Platz für sich gehabt hätten. In der «Lebensgeschichte … des armen Mannes im Tockenburg» vermittelt Ulrich Braeker einen Eindruck.

Gleichwohl waren die Wohnverhältnisse in den schnell wachsenden Industriestädten geradezu brutal. Man lese beispiels-weise Kafkas Prozess. Man entwickelt eine Empfindung für die Dichte, in der die Menschen beisammen wohnten. Oft wurde das bisschen Wohnraum aus der Not geteilt bzw. Teile an Untermieter abgegeben, sodass beispielsweise die mehrköpfige Familie in einem einzigen Raum hausen musste. 40 Partien mussten sich eine Toilette irgendwo in einem Treppenhaus teilen. Usw.

Das hatte auch damit zu tun, dass die Arbeitskräfte möglichst nah bei den Fabriken wohnen mussten. Sie konnten nicht weit her pendeln.

Ich gehe nicht weiter auf diese Periode des Wohnens selber ein. Wichtiger in unserem Zusammenhang mit der Siedlungsentwicklung sind Reaktionen auf diese Missstände.

Aspekt 4: Reaktionen auf die Industrialisierung

Exkurs: Stadtwanderungen: Genossenschaftliches im urbanen Raum

Aspekt 5: Bodenkonsum und Verdichtung

Landschaft

TitelEinst formten Gletscher und Flüsse unsere Landschaft. Nun sind wir, die Menschen, die Gestalter. Das, was wir mit der Landschaft anstellen, tun wir allerdings kaum je im Hinblick auf die Gestaltung. Eher geschieht es einfach – unter Missachtung der Folgen. Und selbst wenn Eingriffe zugunsten der Landschaft erfolgen, sind die Mittel und Folgen oft fragwürdig. Davon handelte mein Volkshochschulabend in Frauenfeld mit dem Titel «Gebrauch und Missbrauch der Landschaft». Einzelne Aspekte will ich hier herausgreifen.

Aspekt 1: Was ist schön und was ist hässlich? (Link)

Aspekt 2: Ästhetik per Reglementierung? (Link)

Aspekt 3: Landschaftsqualitätsbeiträge (LQB)

Narrative und Realität in der Altersvorsorge

220521 Es war einmal

Die Corona-Pandemie beförderte das Phänomen, das man als Verschwörungstheorie bezeichnet – eigentlich nicht ganz zutreffend. Richtiger wäre wohl meist die Bezeichnung Verschwörungserzählung. Vielen Verschwörungserzählungen ist gemeinsam, dass verschiedene reale Ereignisse in einen Zusammenhang gebracht und den handelnden Personen bestimmte Motive zugeschrieben werden. Bei den Motiven liegt denn auch meist die Schwachstelle solcher Erzählungen. Dies trifft beispielsweise auch bei wohl meist ernstgenommenen Büchern wie demjenigen von Gerhard Schwarz (langjähriger Chef des Wirtschaftsressort der NZZ) und Robert Nef «Neidökonomie» zu. Sie machen Neid als Motiv für die Kritik an Einkommens- und Vermögensungleichheiten aus. Wer sich zu Motiven, die man ja nicht wie beliebige andere Fakten beobachten kann und deshalb die eigene Phantasie zu Hilfe nimmt, äussern will, sollte sich grösster Sorgfalt befleissigen.

Mit Verschwörungserzählungen eng verwandt sind Narrative. Ein Narrativ ist eine Erzählung, die mit Interpretationen und Auslassungen einen Eindruck erwecken will, der die tatsächlichen Zusammenhänge tendenziös wiedergibt. Oft kann man statt Narrativ den Ausdruck Ideologie im Sinne von Rechtfertigungslehre verwenden.

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