Sinnlose Wettbewerbe

Der tschechoslowakischer Reformer und Professor Ota Sik brandmarkte die Abwege der sozialistischen Planwirtschaft mit dem folgenden Beispiel: Ein Stahlwerk übertraf das Plansoll, indem es Kugeln für Kaminfeger goss (diese werden an den Besen gehängt, der von oben in's Kamin gelassen wird). Mit diesem Artikel war das in Tonnen verarbeiteten Stahls formulierte Plansoll zwar schnell übertroffen, schnell waren aber auf Lager so viele Kugeln produziert, dass für längere Zeit der gesamte Weltbedarf hätte gedeckt werden können. Mathias Binswanger erzählt in seinem gut lesbaren und informativen Buch über sinnlose Wettbewerbe viele solche Beispiele. Den marktwirtschaftlichen Wettbewerb selber stellt er nicht grundsätzlich in Frage, aber dessen Übertragung in verschiedenste Arten von Organisationen, vom Konzern bis zur staatlichen Verwaltung. Wenn er D.T. Campbell zitiert, liegt Marktkritik allerdings nah: „Je stärker ein einzelner quantitativer sozialer Faktor dazu benutzt wird, soziale Entscheidungen zu begründen, desto stärker ist er verzerrenden Einflüssen ausgesetzt und desto mehr führt er selbst dazu, die sozialen Prozesse zu verzerren und zu verfälschen ... „. In der Marktwirtschaft wird der Egoismus als Faktor für Entscheidungen benutzt (spekulative käufe z.B. von Rohstoffen). Den verzerrten sozialen Prozessen begegnen wir auf Schritt und Tritt.

Mathias Binswanger: Sinnlose Wettbewerbe. Warum wir immer mehr Unsinn produzieren. 239 S. Verlag Herder Freiburg i.Br. 2012. CHF 14.90.