Verdichtung im Einfamilienhaus-Quartier

Wie könnte es zu einer allmählichen Verdichtung auch in bestehenden oder neuen «Einfamilienhausquartieren» kommen? Man kann dem Stadtwanderer Benedikt Loderer durchaus zustimmen, wenn er findet, es könne nicht darum gehen,20110516 2420 solche teilweise über lange Zeiträume gewachsene Quartiere rigoros mit Mehrfa-milienhäusern verdichtet zu überbauen. (Stadtwanderung in Frauenfeld, organisiert von der Kleinpartei CH und in Lenzburg, organisiert von der CoOpera Arbeitsgemeinschaft).

An einer Tagung der CoOpera Arbeitsgemeinschaft berichtete der Professor für Architektur an der Fachhochschule Luzern, Peter Schwehr, über ein Projekt im Auftrag einer Innerschweizer Gemeinde. Es ging hier nicht nur allein um Verdichtung in einem Quartier mit 100-jährigen Einfamilienhäusern und Villen mit grossem Umschwung, sondern auch um die Frage des Wohnens im Alter. Häufig wohnen gerade in solchen Quartieren einzelne alte Menschen in viel zu grossen Häusern, während Familien mit Kindern adäquater Wohnraum fehlt. Der Vorschlag bestand darin, in die grossen Gärten kleine Wohneinheiten zu setzen. (Ein Beispiel könnte das Smallhouse von bauart sein.) In diese kleine Wohneinheiten können die älteren Menschen einziehen. Sie müssen damit ihr Lebensumfeld nicht verlassen. Im besten Fall entsteht eine nützliche Mehrgenerationenbeziehung zwischen den jüngeren Bewohnern des grossen Wohnhauses und den bisherigen Bewohnern / Eigentümern. Da solche Entwicklungen «unorthodox» sind und wenige Vorbilder bestehen, muss die Ge-meinde in einem solchen Prozess eine aktive Moderationsrolle spielen.

Bessere Möglichkeiten bestehen grundsätzlich bei neu zu bebauenden Flächen. Traditionell wird eingezont, die Parzellen werden einzeln an Bauherren verkauft – es entsteht der übliche Siedlungsbrei mit einer Dichte von 5 – 20 Wohnungen pro Hektar. Die besten Möglichkeiten bestehen dann, wenn die Gemein de die gesamte Fläche kauft und Auflagen für die Bebauung macht. Vorbild könnten Baugruppen sein, wie sie in grossen Städten wie Berlin entstanden sind. Dort geht es allerdings nicht um Bebauungen in der Horizontale, sondern in der Vertikale – beispielsweise, wenn eine noch vom Krieg stammende Baulücke genutzt werden soll. Eine Gemeinschaft entsteht, weil der Bau eines grösseren Hauses jenseits der Möglichkeiten mittelständischer Bauherren liegt. Nach Erstellen des Hauses werden die einzelnen Einheiten im Stockwerkeigentum an die Mitglieder der Gemeinschaft abgegeben.

Dieses Muster wäre auf die Überbauung von noch freien Flächen übertragbar. Die Bauherrschaft liegt nicht bei vielen Einzelnen, sondern bei der Gruppe (die sich z.B. zu einer Genossenschaft oder zu einem Verein zusammenschliesst).Auflage der Gemeinde müsste eine Mindestnutzung (z.B. >30 Wohnungen / Hektar) sein sowie die Gewährleistung einer Gesamtplanung. Damit soll eine der traditionellen Schwächen von Einfamilienhaus-Quartieren vermieden werden, die darin besteht, dass die Grenzabstände minimiert werden, d.h. zwischen den Häusern kaum nutzbare Streifen entstehen, während im ganzen Quartier keine eigentliche Freifläche (Kinderspielplatz usw.) bestehen bleibt. Mit der Gesamtplanung wäre auch zu erreichen, dass das Quartier verkehrsfrei bleibt.

Die Vorgehensweise der Gesamtplanung ist keineswegs utopisch. Sie wird ohnehin überall da gewählt, wo eine Immobiliengesellschaft oder eine Genossenschaft grösserflächig baut. Politische Schwierigkeiten gibt es allenfalls da, wo die Verunmöglichung des Einfamilienhausbaus ohne Einbettung in einen grösseren Rahmen als Gefahr für unsere «Freie Gesellschaft» schlechthin gesehen wird.

Bild: von einer Baugruppe erstelltes Haus in Berlin (Holzkonstruktion)