il cumün - oder: Aspekte der Siedlungsentwicklung

20150710 DSC 2404Blühen die Dörfer auf oder sterben sie aus? Diese auf Entwicklungen in Bergregionen gemünzte Frage der im Engadin erscheinenden Zeitschrift „piz" stellt sich auch in städtischen Bereichen. Die Frage ist, welches die Bedingungen für Blühen und Sterben sind. Vier Aspekte, die die Entwicklungen massgeblich beeinflussen, sind auszumachen.

Es sind die Aspekte 1. Kapitaldruck, 2. Bodeneigentum, 3. Öffentlichkeit und Verantwortung, 4. Kultur.
1. Dass Kapital- bzw. Renditedruck ein dominanter Faktor ist, für jedem offensichtlich, der die städtebaulichen Auswüchse im Einzugsbereich der Agglomerationen beobachtet. Randregionen sind viel weniger unter Druck und somit – unter diesem Aspekt – privilegiert.
2. Das Bodenrecht ist zwar in der Bundesverfassung verankert. Zu den interessantesten Siedlungsentwicklungen gehören heute allerdings diejenigen, die dem Autismus privaten Grundeigentums entzogen und Baurecht zur Grundlage haben (z.B. genossenschaftlicher Wohnungsbau in der Stadt Zürich).
3. Die Abwesenheit von Kapitaldruck als Entwicklungstreiber ist vielleicht eine notwendige, aber noch längst keine hinreichende Bedingung für gute Siedlungsentwicklungen. Meist gibt privates (zivilgesellschaftliches) Engagement für die öffentliche Sache der Dorf-, Quartier- oder Siedlungsentwicklung den Ausschlag. Ein hervorragendes Beispiel derartiger Initiative lässt sich in Valendas (Surselva / Safiental) beobachten. In ganz anderer Art tritt sie in der Zusammenarbeit von Wohnbaugenossenschaften und Architekten zur Entwicklung des Hunziker Areals in Zürich in Erscheinung.
4. Jede Entwicklung braucht einen Boden, den ich hier als Kultur bezeichne. Die Entwicklung der hervorragenden Holzbauarchitektur im Bregenzerwald ist nur auf dieser Grundlage zu verstehen.
Der ganze Aufsatz (8 Seiten) kann als PDF geöffnet und heruntergeladen werden.

Bregenzerwald

Der Bregenzerwald ist eine Landschaft, wie sie für den Alpennordhang typisch ist: geprägt von Nagelfluhformationen.
Mit ihren tief eingeschnittenen Flusstälern gleicht sie wohl am ehesten dem Schwarzenburgerland eingefasst von Sense- und Schwarzwassergraben.

G Fluss1 G Landschaft4 G Landschaft6
Heute überspannen Betonbrücken die Flusstäler. Früher war der Verkehr wohl etwas mühsamer. Immer wieder tauchten
die Strassen in die Tiefe, wo sie von Holzbrücken über das Wasser geführt wurden. Wanderer finden heute da und dort
Hängebrücken. Wenn man das Ziel vor Augen hat (unten rechts: Hittisau), dann sollte man nicht denken, man sei
gleich dort. Sicher liegt noch ein Flusstal dazwischen.
G Nagelfluh1 G Nagelfluh2 G Hittisau
Es gibt Orte, wo sich Freizeitaktivitäten konzentrieren, z.B. wo sich die Gleitschirmflieger bei Andelsbuch treffen
(unten Mitte). Selten fühlt man sich aber als Tourist, selbst wo es touristische Angebote gibt, Beispiel: Nagelfluhweg.
G Landschaft1 G Landschaft2 G Landschaft3
Es gibt viele leichte, aber auch anspruchsvoller Touren. Links der Blick Richtung Häderichhöhe, vom Balkon des
Hotels Krone in Hittisau aus gesehen. Da die Milch für Rohmilchkäse produziert wird, werden weder das Auge
(durch Siloballen) noch die Nase (durch Silogeruch) beleidigt.
  
BIG Stall G Landschaft5 G Landschaft8
Die moderne Holzarchitektur hat
ihre Vorbilder (bei Hittisau)
Wer hat sich hier die Zeit genom-
men, spielerisch und schön das
Wasser abzuleiten? (zwischen Egg
und Hittisau) 
Noch ein spielerisches Objekt:
Waldzimmer auf dem Rotenberg
(zwischen Hittisau und Langenegg)
Text dazu siehe unten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Waldzimmer regional gebaut. Das Holz für das Waldzimmer wurde am Rotenberg geschlagen. Sechs Weisstannen im Alter von etwa 100 Jahren lieferten den harten, harzfreien, mitunter auch widerspenstigen Rohstoff. Das Holz für den Schirm wurde von Hand geschält. Beauftragt wurde eine Säge in Egg und eine Zimmerei in Hittisau. Hier schliesst sich der Kreis regionaler Wertschöpfung. Das Waldzimmer fokussiert zum Aus- und Einblick in den Waldraum.

In Rahmenbauweise ausgeführt und mit der Fassade aus gesäumten Schwärtlingen, fügt sich das Objekt harmonisch ins Waldbild. Ein sägerauer Riemenboden, solide ausgeführt, erdet beim Eintritt in das Waldzimmer. Im Inneren zeigt sich die Weisstanne vollendet im natürlichen Licht. Am umlaufenden Oberlciht, an rhythmischen Lichtlinien und vor unregelmässigen Sichtluken durchdringen sich Wald und Zimmer zum handwerklichen Manifest.