2. Eigentumsideologie heute

2. Auch in der Neuzeit finden wir sehr unterschiedliche Auffassungen von Bodeneigentum. „Der erste, welcher ein Stück Landes umzäunte, sich in den Sinn kommen ließ zu sagen, dies ist mein, und der einfältige Leute antraf, die es ihm glaubten, der war der wahre Stifter der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viel Laster, wie viel Krieg, wie viel Mord, Elend und Gräuel hätte einer nicht verhüten können, der die Pfähle ausgerissen, den Graben verschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: Glaubt diesem Betrüger nicht. Ihr seid verloren, wenn ihr vergesst, dass die Früchte euch allen, der Boden aber niemanden gehört." Jean Jacques Rousseau, cit. nach Frank Augsten: Die Bodenfrage neu stellen: Aber wie?, in: Silke Helfrich udn Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter. Netzausgabe. München und Berlin 2009
Die klassische, heute dominierende Ökonomie und Rechtssprechung behandelt den Boden wie ein beliebiges, eigentumsfähi­ges Gut. Der Bodenmarkt wird als Markt wie jeder andere angesehen. Allerdings erfüllt er mindestens ein Kriterium des voll­kommenen Marktes a priori nicht, kein Grundstück ist identisch mit irgendeinem anderen, also ist Homogenität nicht gegeben.