Text 3: Normierung, Zentralisierung

"Staatliche Normierungen und Kontrollen tendieren zu immer stärke­rer Zentralisierung und damit zu im­mer grösserer Lebensfremdheit. In der Schweiz und der Europäischen Union ist dies ein Dauerthe­ma. Dass sich diese Normierungen und Regulierun­gen sehr le­bensfeind­lich auswirken können, zeigt sich in den europäischen Krisengebieten wie Portu­gal, Spa­nien, Griechenland. Viele Menschen sehen sich in ei­ne Subsistenzwirt­schaft zurückgeworfen, neh­men die­se Herausforde­rung auch an, kaufen einige Hüh­ner, ein Schaf oder produzieren für den Laden um die Ecke oder das nahegele­gene Restau­rant – und wer­den gebüsst, weil sie die entsprechen­den Aufla­gen nicht erfüllen, die von der EU auf dem Niveau von Eierfabriken mit Zehntausenden von Hüh­nern oder von Fleischfabriken formu­liert worden sind."

Aus dem Abschnitt "Gemeingüter"

Recherchierend lernen

Fallbeispiel: Die Betreiber eines Take-aways stellen ihren Plakatständer jeweils mitten auf den Bürgersteig / Trottoir. Eltern mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer kommen kaum daran vorbei. Sehbehinderte stolpern gelegentlich über den Plakatständer. Der Stadtrat beschliesst ein Reglement, das alles bewilligungspflichtig macht, was ausserhalb der Gemarkung des eigenen Hauses aufgestellt wird – unter der Voraussetzung, dass das aufgestellte Objekt einem Bedürfnis der Kundschaft entspricht. Dem Take-away-Betreiber wird eine kleinere Plakattafel mit der Auflage bewilligt, dass diese direkt an der Hauswand stehen muss. (Die Plakattafel weist auf das sonst nicht auffalnde Angebot hin.) Nicht bewilligt werden die beiden Buchsbäumchen in Holztöpfen links und rechts des Eingangs des Anwaltsbüros, da diese nicht mit dem Zweck seines Geschäfts zu tun hätten und keinem Kundenbedürfnis entsprächen.

Eigene Beispiele.

Zusammenhänge herstellen

Ordnungs muss sein! Muss Ordnung sein? Ordnung als Voraussetzung des Zusammenlebens. Ordnung als Resultat obrigkeitlicher Rechtssetzung. Ordnung als Ergebnis eines Aushandlungsprozesses.