Bührle – dankbare Zielscheibe

BührleBührle ist ein dankbares Ziel: Grossindustrieller, Waffenproduzent, hat den Nazis Waffen verkauft und Juden unter Druck Kunstwerke zu Tiefpreisen abgenommen. Das alles ist äusserst verwerflich, und aus sicherer Distanz kann man das auch laut sagen ohne zu riskieren, selber Schaden zu nehmen. Nichts ist hier zu relativieren. Mitzubedenken allerdings schon.

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Der schützende Staat

PfarrhausAls mein Grossvater 1891 in Diepoldsau im St. Galler Rheintal sein erstes Pfarramt antrat, kam er in eine arme Gemeinde, in der Krankheiten verbreitet waren. Ursachen waren die häufigen Überschwemmungen von Gemeindegebiet, Wasser, das da und dort liegen blieb und Krankheitserreger begünstigte. Denn die Gemeinde musste alleine mit den Rhein-Hochwassersituationen fertig werden. Unterstützungen von Kanton und Bund wurden erst später eingeführt. In Zusammenarbeit mit Vorarlberg wurde schliesslich eine Rheinkanalisierung mit Dämmen realisiert (die in den kommenden Jahrzehnten von Renaturierungen gefolgt werden sollen). Dies ist ein Beispiel für eine zentrale Aufgabe des Staates: Der Staat hat die Aufgabe des Schutzes der Bürger.

Der Staat hat vielerlei Schutzaufgaben: Schutz vor Waffengewalt, Schutz vor Umweltgiften – heute will der Staat die Bürger vor einer hochansteckenden Krankheit schützen. Die Frage ist dabei, was passiert, wenn viele sagen: ohne mich! Welche Haltung auch immer man dazu einnimmt, entbindet dies nicht von der Beantwortung der Frage, wie der Staat richtig vorzugehen hat, um die Bevölkerung vor Schaden, zum Beispiel gegen verheerende Seuchen zu schützen. Ebenso ist zu beantworten, wie im Zuge von Seuchenbekämpfung Übergriffe verhindert werden können. Derzeit hat sich die Diskussion in Positionen festgefahren. Sie sollte möglichst unabhängig von der aktuellen Situation neu gegriffen werden.

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Zertifikat = Diskriminierung?

ZertifikatWer ausschliesslich auf seinem (legitimen) individuellen Recht beharrt und dieses einfordert, kann sich unversehens als Schmarotzer entpuppen. Wer nur Mehrheitsmeinungen als legitim ansieht und von jedem Einzelnen Anpassung einfordert, leistet der Unterdrückung von Minderheiten Vorschub. Gesellschaftliche Konflikte zwischen Minderheiten und Mehrheiten brauchen Lösungsmechanismen, die über Repression (wie derzeit z.B. Zertifikatspflicht) und Belohnung (Prämien für «Überzeugungsarbeit») hinausgehen. Wie soll die Gesellschaft mit «Abweichlern» umgehen?

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«Wirksamkeit kleinster Entitäten» (Homöopathie)

Kolisko

«Was die Homöopathie betrifft, zeigen seriöse, breit angelegte Studien, dass ihre Wirkung unter dem des Placebos liegt.»

Peter Strasser bringt in einer E-Mail zum Ausdruck, was gängige Währung ist. Ich ging in meiner Entgegnung nur insofern darauf ein, als ich etwas sehr knapp schrieb: «dass potenzierte Substanzen keine Wirkung haben, ist experimentell und reproduzierbar widerlegt.» Das führte zu Nachfragen nach entsprechenden Quellen. Solche werden in diesem Beitrag zusammengestellt.

Die Wiederkehr magischen Denkens …

… und das Wiederauftauchen des autoritären Staates

Kant Immanuel FotoliaDer Grazer Professor Peter Strasser warnt in der NZZ vom 4. Sept. 2021: «Je mehr der Gedanke kursiert, dass es für Massnahmen gegen den Klimawandel zu spät sei, desto drängender könnte das Magische in seiner polit-theologischen Form werden. Wir sollten auf der Hut sein vor Usurpatoren der Macht.»

Man mag tatsächlich verschiedene Arten von Irrationalismen als Gefahr ansehen. Strassers Appell, dem Handeln erfahrungswissenschaftlich begründetes Wissen zugrunde zu legen, kann ich ohne weiteres zustimmen. Nur: was kann als erfahrungswissenschaftliche Begründung gelten? Dies ist nicht so eindeutig, wie es derzeit behauptet wird. So scheint es derzeit angesichts von Covid19 ein einziges rationales Handlungsmuster zu geben: sich impfen zu lassen.

Bild: Immanuel Kant   –   Hier gehts zum Blog

Leonardo Sciascia

Sciascia1Sciascia2«Und dann erinnerte er sich an den Tag im Frühling, als sie jenen Goethe nach Monreale begleitet hatten, ein Mann, den wegen einer Tonscherbe von Selinunt, einer Münze aus Siracusa Rührung überkam, der aber angesichts der Pracht von Monreale keinerlei Regung zeigte, ja sich von ihr beinahe belästig fühlte.» Diese Erinnerung lässt Leonardo Sciascia den jungen Rechtsgelehrten Francescon Paolo Di Blasi formulieren, der später am Galgen enden sollte.

Zwei Buchhinweise
1. auf die deutsche Neuerscheinung Ein Sizilianer von festen Prinzipien. Essayistische Erzählungen. Von Leonardo Sciascia (2021)
2. vom selben Autor Das ägyptische Konzil in Die Andere Bibliothek (2016) mit einem Seitenblick auf die Italienische Reise von J.W. Goethe und Johann Gottfried Seumes Spaziergang nach Syrakus.

Ein Sizilianer von festen Prinzipien. Edition Converso, Bad Herrenalb 2021. ISBN 9783981976397, Gebunden, 200 Seiten, 23.00 EUR
Das ägyptische Konzil. Die Andere Bibliothek, Berlin 2016. ISBN 9783847703778, Gebunden, 372 Seiten, 42.00 EUR

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Mithu Sanyal: Identitti

Identitti«Identität» gehört zu den emotionalsten Begriffen und Themen im gesellschaftlichen Umgang. Vielleicht gerade auch deshalb, weil dem Thema ein Irrtum zugrunde liegt. Man sagt: «Ich bin Schweizer», «Ich bin Banker», «Ich bin ein Mann», «Ich bin Pazifist» – und markiert mit diesen Formulierungen keinerlei Distanz zwischen sich, dem eigenen Ich und dem, wozu man sich zugehörig fühlt, zu den Schweizern, den Bankern, zu den Männern, zu den Pazifisten – und manchmal, zum Beispiel im Fussballstadion, gibt es vielleicht auch gar keine Distanz. «Identitätskämpfe sind Kämpfe um Fiktionen in der Wirklichkeit. Und manchmal sind sie Kämpfe mit ganz realen Opfern» schreibt Mithu Sanyal in ihrem Nachwort. Und ihre Professorin im Roman fordert auf zu fragen: «Wer bin ich? Ich als Individuum?» Nicht die Frage ist massgeblich, welches die ausgeliehenen Identitäten der Gruppenzugehörigkeiten sind, sondern wer ICH bin – jenseits dieser Identitäten.

So tief schürfen die Gedanken in dem Roman, über den Katharina Teutsch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung schreibt «Auf jeder Seite kann man mindestens drei mal laut lachen.»

Mithu Sanyal: "Identitti". Roman.
Hanser Verlag, München 2021. 432 S., geb., 22,- [Euro].

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Und zum Abgleich: Die Genderthematik 1893